Robert G. Ingersoll (teilweise zitiert vom 1998 Grolier Multimedia Encyclopedia: Robert Green Ingersoll, geboren in Dresden, New York, 11. August 1833, gestorben 21. Juli 1899, war ein amerikanischer Redner der als "der große Agnostiker" bekannt war. Ein Autodidakt, wurde er 1854 zum Illinois Gerichtshof zugelassen. Ingersolls eigenes politisches Streben wurden durch die öffentliche Mißbilligung seiner Angriffe gegen die Religion, die er durch seine vielen Reden durchs ganze Land aufrecht erhielt, zunichte genacht. Ingersoll ist ein Symbol für die intellektuellen Wallungen welche die orthodoxen Religionen im späten 19ten Jahrhundert in Amerika über sich ergehen lassen mußten. Seine Schriften wurden 1902 in 12 Bänden veröffentlicht. Ein Ingersoll Museum existiert in Dresden, Ingersolls Geburtsort, im nördlichen Teil vom Staat New York in der Nähe von Buffalo. Für weitere Information bitte wählen Sie: http://www.secularhumanism.org

Gotteslästerung ist ein Urteil das vom Aberglauben über den gesunden Menschenverstand verhängt wird. [Robert G. Ingersolls gesammelte Werke]

In der Natur gibt es weder Belohnung noch Bestrafung--da gibt es nur Konsequenzen. [Robert G. Ingersoll]

Würde der Mensch heute den Lehren des Alten Testaments folgen, dann wäre er ein Krimineller. Würde er den Lehren des Neuen Testaments genau folgen, dann wäre er ein Verrückter. [Robert G. Ingersoll]

 

WAS ICH MIR ZU WEIHNACHTEN WÜNSCHE

Ingersoll

Ich hätte gerne die Macht genau das zu schaffen was ich mir zu Weihnachten wünschte; dann würde ich alle Könige und Kaiser abtreten lassen und dem Volk erlauben sich selbst zu regieren.

Ich würde alle Adeligen dazu veranlassen ihre Titel aufzugeben und ihren Landbesitz dem Volk zurückzugeben.  Ich würde den Papst veranlassen seine Tiara wegzuwerfen und seine heiligen Gewänder abzulegen und zuzugeben, daß er nicht der Vertreter Gottes und nicht unfehlbar, sondern nur ein gewöhnlicher Italiener ist.  Ich würde alle Kardinäle, Erzbischöfe, Bischöfe, Priester und Kleriker dazu bewegen zuzugeben, daß sie nichts von der Theologie, von Hölle und Himmel, über das Schicksal der Menschen, über Teufel, Geister, Götter oder Engel wissen.  Ich würde sie dazu bewegen ihrer Gemeinde zu sagen, daß alle für sich selbst denken sollten, Männer als Männer und Frauen als Frauen, und alles in Ihrer Kraft stehendes tun sollen um die Glücklichkeit aller zu vergrößern.

Ich würde alle Universitätsprofessoren und alle Lehrer in Schulen jeder Art, einschließlich der Sonntags-Schulen, zum Einverständnis bringen, daß sie nur das lehren was sie wissen und nicht versuchen den lernenden Vermutungen als demonstrierbare Wahrheiten anzudrehen.

Ich würde gerne sehen daß alle Politiker sich zu Staatsmännern verwandeln--zu Männern die sich danach sehnen ihr Land groß und frei zu machen--zu Männern denen des Gemeinwohl; wichtiger ist als ihr persönlicher Gewinn--Männer die sich danach sehnen nützlich zu sein.

Ich hätte gerne das Einverständnis aller Schriftleiter der Zeitungen und Magazine nur die Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu drucken, alle Verleumdungen und Verdrehungen zu vermeiden und die Privatangelgenheiten der Leute gehen zu lassen.

Ich würde gerne alle Betrunkenheit und Alkoholverbote abgeschafft sehen.

Ich würde gerne alle Prügelstrafen abgeschafft sehen, in jedem Haus, in jeder Schule, in jedem Asyl, jeder Besserungsanstalt und jedem Gefängnis.  Grausamkeit erhärtet und degradiert; Güte reformiert und veredelt.

Ich würde gerne alle Millionäre vereinigt sehen in einer Stiftung für das Allgemeingut.

Ich würde gerne eine gerechte Teilung zwischen Kapital und Arbeit sehen, damit der Arbeiter sich genug ersparen kann so daß es ihm möglich ist etwas Juni mit dem Dezember seines Lebens zu vermischen.

Ich würde gerne einen internationalen Gerichtshof sehen in welchem Streitigkeiten zwischen Nationen geregelt werden so daß Armeen aufgelöst werden können und große Kriegsflotten in Rost und Verrottung Frieden finden.

Ich würde gerne die ganze Welt in Freiheit sehen--frei von Unrecht--frei von Aberglauben.

Das genügt für diese Weihnacht.  Für die nächste könnte ich mehr wollen.

(The Arena, Boston, Dezember 1897)