Kanadischer Faschismus -- Könnte Es Wirklichkeit Werden?

Der jüngste Krawall über die Gründung einer neuen politischen Partei in Kanada hat viele Kanadier beunruhigt.  Nehmen wir einen Rückblick auf die Vorgänge die zur gegenwärtigen Situation führten.

Vor einigen Jahren gründete Preston Manning die "Reform Partei" in Kanada.   Manning ist ein Politiker von Alberta mit Verbindungen zu den Leuten welche die seit 1980 aufgelöste (jedoch bereits seit 1971 ohne bedeutenden politischen Einfluß gewesene) "Social Credit" Partei unter der Schirmherrschaft des visionären Predigers und Oberschulhauptlehrers "Biebel-Bill" Aberhart führten.  Er plante die kanadische Politik zu reformieren durch Vorschläge zu massiven Steuer-Erniedrigungen und durch die Hervorhebung der Wichtigkeit eines persönlichen Verantwortungsgefühls und weniger Abhängigkeit von Unterstützungsgeldern durch den Staat.  Diese neue "Reform" Partei war jedoch zu sehr im Westen lokalisiert und fand keinen kanada-weiten Anklang bei den Stimmberechtigten.  Trotzdem erlangten sie den Status der offiziellen Oppositionspartei im Parliament in Ottawa mit 52 Abgeordneten in 1993.  Es war jedoch allgemein angenommen, daß dies die höchste Zahl von Abgeordneten sei, die eine regionale Partei erzielen könnte.  Dies veranlaßte Manning vor zwei Jahren zu versuchen wiederum eine neue Partei zu gründen, eine konservative Allianz, in der Hoffnung, daß diese Allianz Mitglieder der Progressiven Konservativen Partei Kanadas anziehen würde oder daß sich beide Parteien zusammenschließen könnten.  Nun ist die Progressive Konservative Partei eine politische Institution die seit der Gründung Kanadas bestand und aus deren Mitte verschiedene Premier-Minister hervorgingen.  Der gegenwärtige Führer dieser Partei ist Joe Clark, selbst für kurze Zeit vor mehreren Jahren Premier-Minister von Kanada.   Mannings Idee war, daß duch eine Vereinigung beider Parteien die Allianz sofort eine Landweite Anerkennung erhält und eine gute Chance haben würde die mächtige Liberale Partei unter dem Premier-Minister Jean Chrétien in den nächsten Bundeswahlen zu besiegen.  Manning wäre natürlich selbst gar zu gerne Premier-Minister geworden.   Joe Clark lehnte diese Idee die Progressive Konservative Partei aufzulösen und der Allianz beizutreten jedoch ab.

Die Gründung der neuen Partei machte eine Wahl eines neuen Partei-Führers notwendig.   Eine Abstimmung durch alle registrierten Mitglieder der "Allianz" sollte entscheiden wer der neue Parteiführer sein wird.  Unter den Kandidaten war ein gewisser Stockwell Day, Schatzmeister der Provinz Alberta.  Der Premier von Alberta, Ralph Klein, gab Day starke Unterstützung.  Manning wurde als nicht charismatik genug betrachtet und war nicht das "frische junge Gesicht" das die kanadische Wählerschaft angeblich sucht.  Er hat eine hohe Stimme, spricht nicht französisch und es wurde angenommen, daß er sicherlich nicht den Massen-Anklang fände den man von einem Führer einer federalen Partei erwartet.  Noch dazu hat er Versprechungen gemacht die er nicht einhielt.  Eine solche war, daß er nicht in das vom Staat finanzierte Haus des Führers der Opposition (Stornaway, Rockcliffe Park) einziehen wollte um dem Steuerzahler das Geld zu ersparen.  Als er jedoch der Führer der Opposition wurde, zog er ohne Zögern oder weitere Überlegungen in dieses selbe Haus.

Schließlich gewann Stockwell Day die Führerschaft der neuen Partei mit einer bedeutenden Mehrheit der Stimmen; manche nannten es einen "Erdrutsch-Sieg".   Obwohl Manning eine etwas salbadernde christliche Person ist, so scheint er doch gemäßigte politische and soziale Ansichten zu haben.  Nun, wie steht es mit Stockwell Day?  Von ihm wird berichtet, daß er ein fundamentalistischer Christ ist und Abtreibungen und den Rechten der Schwulen feindlich gegenübersteht und daß er die Wiedereinführung der Todestrafe befürwortet.  Dies, im Zusammenhang mit einer anti-semitischer Einstellung, erhebt Befürchtungen bezüglich Faschismus.   "Monday Magazine" von Victoria, B.C. (kanadische Westküste) entdeckte einige interessante Einzelheiten und legt nahe, daß Kanada einem Kampf für Menschenrechte und persönliche Freiheiten entgegensieht.  Hier sind einige Zitierungen aus "Monday", von deren Web Site <http://www.monday.com/monday/index.htm>, postiert am 10. Juli 2000:

Zitat:
Im Jahr 1985, legte Stockwell Day sein Amt als Pastor-Assistent des "Bentley Christian Center" nieder und hinterließ eine Kirche die demoralisiert und zersplittert war.  Gregory Rathjen der 1986 Pastor wurde sagte, daß unter der Verwaltung von Day die Kirche von einem Pentecostal (Pfingstgemeinde) Erweckungs-Sinn und von charismatischen Machtbestrebungen amerikanischen Stils überflutet wurde.  Heute sagt Rathjen: "Es war so nahe an einem Kult als man kommen kann."

Eine ziemlich vernichtende Anklage von einem Geistlichen, besonders von einem der von derselben Kirche kommt von welcher Stockwell Days politische Karriere geboren wurde.   Diesen Samstag (1. Juli 2000) ist er sicher als Führer der neuen kanadischen Allianz Partei gewählt zu werden die, mit jeder weiteren Woche, weniger eine bodenständige politische Partei als eine Armee von Anhängern wohlhabender körperschaftlichen Interessengruppen wird, die schon jetzt in Erwartung einer flachen Steuerrate sabbern.  Bald danach könnte Day Premier-Minister werden.  Aber was treibt diesen Mann?

In "Monday" dieser Woche können Sie eine Andeutung finden--und was Sie lesen werden mag Ihnen nicht gefallen.  Der preisgekrönte Journalist Gordon Laird besucht Days alte Heimatstadt Bentley, Alberta, und entdeckt, daß Day nicht nur ein Anhänger des exzentrischen Fundalismus ist, aber daß er auch gehässige christliche Schul-Lehrpläne verteidigte und freundliche Beziehung mit Extremisten wie den Holocaust-Verneiner Jim Keegstra pflegte.  Sicher, der Mann ist der nasse Traum eines Publizisten (er ist ein Jogger, er hat noch Haare, er glaubt an Gott!) aber wollen wir wirklich, daß dieser Mann unser Land führt?  Lesen Sie und urteilen Sie selbst. (Ende der Zitierung)

Im Folgenden lesen Sie die unabgekürzte Wiedergabe des Gordon Laird Artikels wie in der Zeitung The Globe and Mail am Montag, den 17. July 2000 veröffentlicht, übersetzt in die deustche Sprache.

Kann Stockwell Day Kirche und Staat getrennt halten?
Der ehemalige Pastor eines christlichen Schul-Zentrums hat eine lange beurkundete Tendenz die Religion über die Staatsregierung zu stellen.    Gordon Laird

Das Bildnis von Stockwell Day als ein gerechter Totschläger der liberalen Dämonen ist eindrucksvoll.  Aber kennen wir wirklich den Stockwell Day, den Laien-Pastor der Premier-Minister werden will?

Herr Day präsentiert sich als ein Problem-Löser und ein Koalitions-Befürworter der die kanadische Demokratie neu beleben will.  Aber dieser Anspruch ist nicht leicht mit seiner bewiesenen Schwäche Gottes Partisan zu sein zu vereinbaren.  Über seine politische Karriere von 15 Jahren entpuppte er sich als ein Streiter für die religiösen Rechtsradikalen in Kanada.  In Alberta führte er einen Feldzug um die errungenen Fortschritte im "Vriend" Zivilrechtsfall zu beschränken (dieser Fall zwang Alberta ihren Zivilrechts-Kodex zu revidieren zum Schutz der Homosexuellen); er versuchte die Versicherungs-Finanzierung von Abtreibungen abzustellen und er wollte die Finanzierung für religions-orientierte Privat-Schulen erhöht haben.

Es hängt sicherlich viel von der Fähigkeit des Mr. Day ab sich als ein gewöhnlicher Kanadier vorzustellen.  Was aber viele Kanadier beunruhigt ist, daß Herr Day nicht nur ein Moralprediger sondern auch ein Mann des Handelns ist.  Ungleich von Preston Manning, der manche unverdiente Schmähungen für seine eng begrenzten religiösen Ansichten ertragen mußte, hat Herr Day gelegentlich eine Zuwendung zur Theokratie gezeigt.

"Ich glaube an die Trennung von Kirche und Staat", versicherte er den Kandiern im April.  Zurück im Jahr 1984 war es eine andere Geschichte.   "Gottes Gesetz ist klar," sagte er einem Berichterstatter des "Alberta Report" Magazins.  "Die Normen für die Erziehung sind nicht von der Regierung festgesetzt, sondern von Gott, der Biebel, dem Familienhaus und der Schule."

Zu jener Zeit vertrat Herr Day eine Gruppe von 15 nicht konzessionierten christlichen Schulen die beschlossen gegen die Bemühungen der Regierung zu kämpfen Kontrollen jeglicher erzieherischer Art, inklusive der Aufstellung eines Lehrplanes und dessen Prüfung, einzuführen.  Zu jener Zeit zitierte eine "Alberta Report" reportage Herrn Day wie folgt: "Wenn wir [den Kultus-Minister] um Erlaubnis fragen, dann erkennen wir damit seine Authorität an."

Herr Day argumentierte, daß seine Bemerkungen aus dem Zusammenhang gerissen wurde, daß er lediglich die Ansichten seiner Gesinnungsgenossen christlicher Schulen vertrat.   Nun, was war der Zusammenhang?

Wie viele Anführer der religiösen Rechten begann Herr Day seine politische Karriere als ein Fürsprecher für unabhängige Biebel-Schulen.  Die 80er Jahre waren ungestüme Zeiten: Christliche Aktivisten in den USA starteten Aktionen um den Einfluß des Staates auf die Lehrpläne und Führung christlicher Privatschulen auszuschalten.   Einige der größten Schlachten, einschließlich der hervorragenden 1981 Kraftprobe an einer Nebraska Schule, bezogen sich auf dasselbe Schul-Programm–die aus Texas stammende Accelereated Christian Education (ACE) [beschleunigte christliche Bildung] die Herr Day an der von ihm verwalteten Biebel-Schule in Bentley, Alberta, benutzte.

Es dauerte nicht lange bis die amerikanischen Streitigkeiten sich nach Norden ausbreiteten.  Wie das "Edmonton Journal" letzten Mai berichtete, Herr Day gewann einen intensiven zweijährigen Kampf gegen das Kultusministerium von Alberta im Jahre 1985 während seiner Amtszeit als Verwalter des Bentley Christian Center.  Ein damaliger Bürokrat erinnert sich daß, bei einer öffentlichen Sitzung zur Besprechung des Alberta Bildungs Aktes, "Herr Day organisierte einen Protest der viele Protest-Plakate schwingende Individuen einschloß die die Sitzung schwer beinflußten, so daß die Privat-Schulen Frage vorrang über andere wichtige Sachen erzielte."

Am Ende gewann die Bentley Schule stillscheigend Anerkennung, obwohl, nach früheren Bürokraten, sie seit 1979, als Day sie als eine ACE-Schule startete, illegal funktionierte. (Letzten Juni behauptete Herr Day, [daß] die Schule "war nie illegal, nicht einmal für eine Stunde.")

Herrn Days Aktivismus folgte kurz nach der 1982 Keegstra Affaire als ein Lehrer vom nahem Eckville entdeckt wurde, der seinen Schülern anti-semitische Verschwörungs-Theorien gelehrt hatte.  Die Keegstra Affaire veranlaßte eine Überprüfung des Schulwesen unter dem Vorsitz des ehemaligen Senators Ron Ghitter.   1985 ergab sich eine allgemeine Mißbilligung über die Lehrpläne der Bentley Schule und anderer religiöser Schulen in Alberta die das ACE Programm einführten, indem sie "einen Grad von Empfindunglosigkeit gegenüber Schwarzen, Juden und den Ureinwohnern" pflegten.

Damals war Herr Day schnell dabei darauf zu bestehen, daß der Lehrplan des Bentley Christlichen Zentrums weder anti-semitisch noch intolernant sei.  "Das ist total ungenau und verleumderisch," sagte er einem Berichterstatter 1985.  "Wir bezeichnen Juden als auserwählten Leute–der Stoff ist gegen den Anti-Semitismus."

Herr Day hatte Recht damit, daß Fundamentalisten den Zionismus als einen Ausdruck bieblischer Prophezeiungen befürworten und lehren.  Das Haupt-Dogma besagt, daß das jüdisch bevölkerte Israel die Zerstörung durch das Harmageddon überleben wird–und das dies dann wieder den dauernden Frieden durch die Wiederkunft Christi verkünden wird.   Obwohl die Juden als "auserwähltes Volk" bezeichnet werden, so besteht doch eine gewisse Unterströmung in gewissen fundamentalen Kreisen die behauptet, daß die Juden einen nicht perfekten Glauben haben, und daß sie–"seelisch blind [sind] und dringend einen Mesias und Erretter brauchen," wie der Führer der "moralischen Mehrheit," Jerry Falwell, 1980 erklärte.

Hinter dem ACE Programm steht eine trennende Religions-Ideologie die behauptet daß, auf Grund göttlicher Gesetze, christliche Institutionen die demokratisch gewählten [weltlichen] Institutionen ersetzen sollen.  "Die Ausschaltung der öffentlichen Schulung klingt unverantwortlich" schrieb Donald Howard, Gründer des ACE in seiner 1979 Verkündigung Wiedergeburt unserer Nation, "bis man begreift, daß es weniger als 100 Jahre alt ist und sich nicht als erfolgreich erwiesen hat. Nur unser gnädiger Herr weiß welche Verantwortung das gegenwärtig humanistische Staats-System für diese [moralische] Untergrabung zu tragen hat."

Robert Friedland, ehemaliger Direktor der Alberta Kommission für Menschenrechte und ehemaliges Mitglied der "Alberta Report" Berichterstatter, überprüfte den Alberta ACE Stoff im Jahr 1984 und fand eine Anzahl von ungewöhnlichen Stellen in den verschiedenen Schul- und Handbüchern.  In einem Artikel im "Edmonton Journal" in 1884 zitierte er einen Soziologie Kurs auf dem Junior-Oberschul Niveau:   "Als mehr und mehr Leute gottlos wurden," hieß es dort, "waren die Volksschullehrer nicht immer Christen und lehrten deshalb üble Sachen."  An einer anderen Stelle wird behauptet, daß Demokratien die "äußerste Vergöttlichung des Menschen darstellen, was wirklich der Inhalt des Humanismus ist und was Gottes Wort völlig fremd ist."

Herr Friedland zitierte auch die nunmehr brühmte ACE-Frage die Herrn Day während der letzten Führerschaft Debatte überfiel: "Die Führer der Juden waren Kinder ihres Vater, Satan (true or false)?"  Es war eine unbillige Frage denn Herr Day wurde niemals zitiert für irgendetwas das auch nur am Rande anti-semitisch war, noch gibt es einen Beweis dafür, daß solches Material in seiner Bentley Schule gelehrt wurde.   (Die Frage selbst stammt von einer Zitierung im Neuen Testament.)  Aber warum ACE diese besondere Biebel-Zitierung gewählt hat bleibt ein Geheimnis.  Und unter welchem Kriterium haben die Texas Programmierer von ACE das rechts-radikale anti-semitische Manifest "Niemand erdreiste sich es ein Komplott zu nennen"   zu ihrer gegenwärtigen Liste von vorgeschlagenem Oberschul-Lese-Material hinzugefügt?

Tatsächlich müßte jetzt Herr Day erklären wie die Bentley Schule es verstanden hat intolerantes Lesematerial auszuschließen das an anderen Orten erschien.  Gab es ein besonderes Bentley Programm zwischen 1979 und 1985?

Herr Day sollte seine Vergangenheit erklären zum Teil deswegen, weil er religiöse Schulung zu einen wichtigen Abschnitt seines Parteiprogrammes machte.  Von Anfang an als ein Aktivist zum erfolgreichen Versuch die Finanzierung privater religöser Schulen in Alberta zu erhöhen bis zu seinem neusten Versprechen religiöse Privatschulen durch ganz Kanada finanzieren zu lassen hat Herr Day den Privatschulen seinen Vorzug gegeben.   Er muß die Stimmberechtigten überzeugen daß sein Plan für Kanada nicht dem "Gottes Gesetz ist klar" Diktum folgt, von seinem bisherigen Aktivismus, was Schulen zu einem Kampfplatz macht in welchem Familien und Gemeinschaften entlang Angelegenheiten des Glaubens und der Moral zersplittert werden.

Gordon Laird ist Author von Slumming It at the Rodeo: The Cultural Roots of Canada's Right-Wing Revolution (Douglas & McIntyre, 1998).

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